Der Papst war da

Viel wurde berichtet, über den Papstbesuch in Deutschland. Und die vielen damit verbundenen Hoffnungen, den gemeinsamen Glauben und die Zusammengehörigkeit in unserem Lande weiter voran bringen zu wollen. Am Ende üben sich Deutschlands führende Theologen nun in breiter Katerstimmung, ob der vielen unerfüllt gebliebenen Erwartungen an den Besuch des Pontifex. Verheißungsvolles und Zukunftsweisendes der heiligen Audienz sucht man vergebens. Aber halt! Ist dem wirklich so? Nach dem Auftakt des Papstbesuchs im Berliner Olympiastadion, der Berliner Kathedrale der Ungläubigen – oder wie manche es eben auch nennen: Dem Hauptstadtkultstadion von Fußball-Erstbundesligist Hertha BSC – liegen vielleicht doch Veränderungen in der Luft…

Zuallererst nämlich bleibt festzuhalten: Der Rasen im Berliner Olympiastadion riecht wieder schön grün. Was daran liegen mag, dass er neu ist. Nachdem fast 70.000 Gläubige dort kürzlich der Heiligen Messe und der Predigt des Heiligen Vaters gehuldigt haben, hat der Vatikan tief in seinen Kollektenbeutel gegriffen und die Runderneuerung des Berliner Fußballgrüns finanziert. Danke sagt Hertha BSC, denn der Verein spielt somit ab sofort und gleichsam auf Heiligem Rasen, wenn man das so sagen darf. Assoziationen zum Centre Court von Wimbledon liegen da natürlich auf der Hand… Aber nein, hier in Berlin gibt es immer noch nur Bier und Bratwurst und nicht Erdbeeren mit Sahne zum Anpfiff. Soweit so gut.

Dass der Papstbesuch offenkundig aber doch nachhaltige Wirkung erzielt, davon durften sich zumindest die Besucher des Fußballbundesligaspiels Hertha BSC – 1. FC Köln (1.10.2011) überzeugen: 3:0 fertigt der Aufsteiger die geisböckigen Domstädter regelrecht ab und das in einer Art und Weise, wie man es in der Hauptstadt schon lange (genauer: seit über drei Jahren) nicht mehr gesehen hat. Drei Tore in der ersten Halbzeit, großes Chancenplus, schnelles, dynamisches und intelligentes Spiel. Der Zuschauer rieb sich zur Halbzeit verwundert die Augen, gewährte frohgelaunt standing ovations im weiten Stadionrund und blieb doch zunächst mit der Frage allein: Was ist hier plötzlich los? Irgendetwas ist anders. Ist das tatsächlich mein Fußballverein, der vor zwei Jahren an gleicher Stelle quasi kein Heimspiel mehr gewinnen konnte, um dann folgerichtig den Büßergang in die Zweitklassigkeit anzutreten? Und erst den steinigen, ja dornenreichen Pilgerweg des Wiederaufstiegs nach Erstliga-de-Compostela bestehen musste?

Jetzt also diese überraschende Offenbarung, gegen einen Gegner, der Gottes Segen und den Glauben gewissermaßen in eigener Kultstätte (Kölner Dom) manifestiert hat. Wer aber an die vielen fröhlichen Gesichter vom Papstbesuch zurückdenkt – nahezu entrückt vor Glück und beseelt vom Guten – und sie mit den vielen lachenden Gesichtern im Berliner Olympiastadion nach diesem Spiel gegen Köln vergleicht, wird nicht umhin kommen, hier zu konstatieren: Der Heilige Geist ist jetzt womöglich blau-weiß und die Heilige Spiritualität hat eine neue Heimat gefunden. Warum also nicht mal Berlin, dieser Schmelztiegel der Gottlosen, der Atheisten und Konfessionslosen. Da drängt sich folgende Frage doch nahezu auf: Fußball mit Hertha als die neue Religion?

Gut, wir von Schuss. Tor. Hinein! wollen es hier jetzt auch nicht zu bunt treiben mit den Metaphern und es womöglich an zu viel Respekt gegenüber den vielen Gläubigen mangeln lassen. Schlussendlich geht es doch auch in diesem Blog nur um Fußball. Aber, der Zusammenhang ist schon ebenso offensichtlich wie bedeutungsvoll: Der Papst war da, der neue Rasen ist heilig und Hertha hat gewonnen. Und wo Gott ist, da ist Zukunft. Amen.