Danke, Herr Babbel

Bevor man das vergisst oder es möglicherweise zu spät ist, gilt es „Danke“ zu sagen. Danke, Markus Babbel.

Nicht für den Aufstieg. Den hätte auch meine Nachbarin, die vom Fußball so viel Ahnung hat wie Markus Babbel vom Klöppeln, hingekriegt. Na ja, wer weiß. Also – danke auch für den Aufstieg.Schon gar nicht „Danke“ für den bisherigen Saisonverlauf. Mal ganz ehrlich – das ist doch langweilig, oder?! Da wird im Mittelfeld der Liga rumgedümpelt. Bei aller Demut. Langweilig.

In der Abstiegssaison hatten wir wenigstens alle zwei Wochen das Bauchkribbeln, ob nicht doch noch ein Heimsieg gelingen oder der Abstieg vermieden werden würde.

In der Zweitligasaison eilten selbst die langsamsten Spieler von Hertha BSC von Sieg zu Sieg. Da war’s nicht spannend, aber man hatte Spaß und freute sich über die Siege und die tolle Stimmung. Darüber, dass die Zuschauer in Massen kamen und man meinte, dass Hertha einen Trainer gefunden hatte, der passte. Danke dafür, Herr Babbel.

Danke dafür, dass wir von einer goldenen Zukunft von Herthas Nachwuchs träumen durften. Sind zwei Spieler gleich gut, spielt der Jüngere. Und wir saßen im kalten Stadion und freuten uns, weil endlich alles zu passen schien. Wir träumten von elf Berlin-Brandenburger Jungen, die die Liga auf ewig rocken würden.

Jetzt ist Langeweile angesagt. Hertha gewinnt gelegentlich. Hertha verliert gelegentlich. Und ansonsten spielt Hertha unentschieden. Langweilig.

Das merkt ein guter Trainer, so dass Markus Babbel reagiert – oder besser: er reagiert nicht und sorgt bei Fans, Presse und den anderen Größenwahnsinnigen endlich für ein bisschen Nervenkitzel. Danke dafür.

Sein Vorgesetzter hatte es heraus posaunt: Hertha will mit Markus Babbel verlängern und irgendwie hatten alle damit gerechnet, dass dieser sagen würde: „Meine Stadt, mein Verein, Hertha BSC.“ Wir sahen schon sein Ganzkörpertattoo in Blau-Weiß und eine Hotelsuite, die seinen Namen tragen würde.

Nun ist Markus Babbel ein ganz ausgefuchster Medienprofi und reagiert eben nicht. Ein Raunen geht durch Ostkurve und Blätterwald und jeder fragt sich: Warum verlängert er seinen Vertrag nicht? Wir sind’s doch – der Hauptstadtclub. Dafür hat der Vielflieger eine schlüssige Erklärung: er hat keine Zeit. Er hat sogar so wenig Zeit, dass er Testspiele vor dem Schlusspfiff verlassen muss. Deutsche Fluglinien sind eben nicht die Deutsche Bahn – sie fliegen pünktlich. Da schafft man es gerade noch rechtzeitig auf seinen Sitzplatz.

Na gut, dachten wir Nichtflieger. Dann gibt es auf der Mitgliederversammlung die übliche verbale Emblemküsserei und Babbel schreit es dem Souverän entgegen: „Ja, ich will und ich liebe Euch doch alle.“

Doch der Markus hält die Suppe, die Preetz ihm eingebrockt hat, weiterhin am Kochen. Er denkt nicht im Traum daran, seine Bereitschaft zur Vertragsverlängerung bekannt zu geben. Wie auch? Er hat ja keine Zeit. Ein Rastloser im beschaulichen Berlin. Ein in sich Ruhender, der uns hektische Großstädter lehrt, wie man in der heimlichen Hauptstadt bei vier Weizen im Biergarten solche Dinge regelt.

So kamen und gingen Nikolaus und die ersten Adventstage und während Markus Babbel noch immer in sich ruht, rumort es in Verein und Stadt, denn alle werten sein Zögern als vorgezogenes „Nein“.

Auf diese Art und Weise bleibt Hertha BSC in den Schlagzeilen. Danke, Markus Babbel.

Und wer weiß, ob der Held der Arbeit, dem keine Minute bleibt, über seine weitere Zukunft nachzudenken, nicht doch ein wenig Zeit schinden kann, zum Füller greift und seine Unterschrift unter einen Vertrag setzt.

Muss ja nicht bei Hertha BSC sein.

Schlussendlich.