Der Berliner Weg: Rehagel raus!!!

Ja, dieser Text fackelt nicht lange rum und kommt gleich zur Sache. Aber gemach. Zunächst einmal, jetzt sind wir von Schuss. Tor Hinein! aber selbst ein wenig erschrocken über uns. Am 12. Dezember 2011 war es, als die Schlagseite der blau-weißen Fußball-Concordia begann, sichtbare Ausmaße vor der Insel Westend anzunehmen und wir schon damals in unserem Artikel „Advent, Advent – ein Lichtlein brennt…“ exklusiv darauf hinwiesen: Hertha BSC könnte womöglich in Kontakt kommen, mit ihm, dem Godfather of Trainerstuhlinhaber, König Otto I., Otto Rehagel. Wir sind umso mehr erschrocken, dass unser Weitblick anscheinend sogar soweit ging, dass wir dabei einfach mal gleich eine Traineretappe der laufenden Saison übersprungen haben. Das ist einfach übernatürlich und: Wir bitten höflichst um Entschuldigung, Herr Skibbe!

Ist das also zu fassen? Oder ist das 1. April im Februar? Oder doch endlich Karneval an der Spree? Unser Berliner Hauptstadtclub also, aktuell ein Bild des Jammers in der Außendarstellung und auf fleißiger Trainersuche. Wieder mal. Und was haben wir uns dabei nicht alle die Köpfe zerbrochen, wer es denn nun werden würde. Wer überhaupt auf dem Markt ist. Holger Stanislawski, Thomas Doll. Nein. Andries Jonker vom FC Bayern-Nachwuchs. Nein. Krassimir Balakov, Direktimport aus Kroatien. Nein. Die Verzweiflung war Gross, Christian Gross. Nein. Hiddink, van Gaal die ganz große Lösung? Nein. Rangnick ausgebrannt. Nein. Und am Ende geisterte immer ein ominöser Mister X übers Spielbrett, den angeblich niemand auf der Rechnung haben sollte. Kaum vorstellbar. Und doch: So kam es.

Michael Preetz legte an und zielte mit seiner letzten Patrone auf den Zauberhut. Alle hofften, dass sich das weiße Kaninchen darin rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat. Trommelwirbel. Spannung. Ein Knall, ein Schuss (ein Tor… möchten wir an dieser Stelle fast ergänzen wollen…) – zum Glück, es war doch nur die Platzpatrone! – der Rauch verzieht sich langsam und: Otto Rehagel soll es machen, für ein halbes Jahr. Die Hertha vor dem Abstieg retten. Wahnsinn. Wer hätte das gedacht?! Um ehrlich zu sein: Wir von Schuss. Tor. Hinein! nicht.

Viel erstaunlicher aber: Wir hätten doch wirklich nicht gedacht, dass wir mit unserer kleinen Redaktion und unseren (zugegebenermaßen sehr hochwertigen) Recherchen soviel Weitblick, vor allem aber Macht und Einfluss auf aktuelle Entscheidungen bei Hertha BSC haben könnten. Bloß weil wir hier in der Redaktion im Dezember 2011 auch mal mitdrehen wollten, am großen Rad der Spekulation. Jetzt haben wir den Salat. Offensichtlich darf man in der Öffentlichkeit nicht ganz so unbedacht mit Namen jonglieren, weil: Womöglich werden sie am Ende wahr! Und: Da spürt man doch gleich ganz schnell den Druck, die große Last der Verantwortung auf den eigenen Schultern. Wie unangenehm. Mensch, lieber Michael – so war das alles nicht gedacht von uns! Wir sind hier doch auch nur angetreten als ahnungslose blau-weiße Fußballamateurspekulanten. Kategorie „Nimmt eh keiner ernst!“. Und jetzt das. Jetzt macht Ihr bei Hertha BSC einfach das, was wir Euch sagen? So simpel ist das? Unglaublich. Hoffen wir mal, dass Ihr Euch das in der Managementebene auch gut überlegt habt, nun ausgerechnet an dieser Stelle einfach ein paar verbalen Blindgängern aus dem Internet zu vertrauen. Oh, oh, oh.

Aber, wenn die Lage so ist, gehen wir natürlich gleich mal in die Vollen und gestalten fleißig mit, am standesgemäßen Berliner Empfang Otto Rehagels. Deshalb unsere bescheidene Forderung: Rehagel raus! Und wir ahnen fast, dass wir damit zielsicher den Nerv und gleich den nächsten Treffer landen werden. Nanu, „Rehagel raus?“ fragt sich der Leser jetzt vielleicht irritiert. Und ja, lieber Leser, wir geben Dir Recht. „Rehagel raus!“ ist unsere etwas verklausulierte Art, Otto Rehagel in Berlin willkommen zu heißen. Aber ganz herzlich. In einer Zeit, in der nur noch Rekorde zählen und wo z.B. jüngste, kürzeste und von staatsanwaltlichen Ermittlungen bedrohte Bundespräsidenten rekordverdächtig erfolgreich die Karrierestufe „Rücktritt“ erreichen, da wollen wir nicht abseits stehen. Nein, wir wollen auch einen Rekord: Wir fordern es einfach offiziell als erste, dass Rehagel sofort gehen muss! Noch bevor es andere tun und er das erste Training geleitet oder gar ein Spiel mit Hertha BSC verloren hat. Und viel besser, noch bevor er seine Unterschrift unter den Vertrag gesetzt hat. Besser geht es rekordtechnisch nun wirklich nicht oder? Das Rekord-i-Tüpfelchen sozusagen! Möglich nur hier, in Berlin.
Fast bedauern wir, dass man uns von Vereinsseite nicht noch etwas früher informiert hat, wäre es uns doch so möglich gewesen, diesen Rekordversuch direkt in der betreffenden Gremiensitzung des Vereins zu starten. Das wär’s noch gewesen. Der dann wirklich ultimative Rekord. Aber, wir haben Bescheidenheit gelernt, in Berlin.

Trotzdem hören wir ihn schon, den vielstimmigen Choral an Entgegnungen. „Nein, das könnt Ihr doch so nicht bringen!“ oder „Was ist denn das für ein Stil? Gebt ihm doch wenigstens mal eine Chance!“. Da sind wir jetzt aber standhaft. Ein wenig Stahlbad muss schon sein. Bei Michael Skibbe gab es schließlich eine latent unterdrückte Antistimmung gegen den neuen Trainer, die sich nur aus falsch verstandener Höflichkeit nie so richtig den Weg an die Oberfläche bahnte. Und als es dann soweit war, war er auch schon wieder weg. Das war gemein. Und das ist nicht der Berliner Weg. Wer therapiert denn nun all unsere nicht ausgelebten Emotionen in der Sache? Nein, dieses Mal wollen wir konsequent anders sein und gleich von Anfang an Tacheles reden. Und überhaupt, spätestens nach dem ersten Spieltag wird für Otto Rehagel unsere Forderung Realität in den Berliner Medien sein. Wir glauben da einfach an unsere neue Prognosestärke.

Lieber Otto, bevor Du es Dir jetzt vielleicht doch noch mal anders überlegst, weil, sagen wir, Dir diese Art von Vertrauensvorschuss dann doch nicht als weitreichend genug für ein ruhiges und konzentriertes Arbeiten erscheint, um Hertha BSC vor dem Abstieg zu retten und parallel noch unser Jungtrainerteam fortzubilden – ist doch alles nur Spaß hier! Ja, das hat sich seit den guten alten 60er Jahren verändert in Berlin: Wir sind inzwischen zur ganz großen Spaßstadt geworden (auch wenn es mit dem Karneval noch immer nicht so ganz richtig funktioniert). Nur bei einer Sache verstehen wir halt absolut keinen Spaß, beim Fußball. Nein, da ist’s gar nicht mehr lustig hier. Immerhin kennst Du den Laden schon etwas, von früher. Vielleicht hilft das ja. Und soviel hat sich dann ja auch wieder nicht verändert. Also, viel Erfolg und:

Rehagel raus… ins Stadion!