NOT IN MY NAME!

Nun ist es also vorbei. Das Derby zwischen Union und Hertha. Das Ringen um die Vormacht in der Stadt. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Auffassungen von Fußballkultur. Der „culture clash“, der Kulturkampf. Ganz nüchtern betrachtet – und ja, das war bei diesem Spiel nun wahrlich nicht leicht, so ganz ohne alkoholische Hilfsmittel -, bleibt festzuhalten: Hertha BSC hat 2:1 in der neuen Alten Försterei gewonnen. Teil 1 des Stadtderbys in dieser Saison liegt damit hinter uns, es beginnt das Warten auf Teil 2 im Februar 2013. Erstaunlich aber allemal, die grundsätzliche Unaufgeregtheit, mit der beide Seiten das Derby im Vorfeld angegangen sind und auch das mediale Echo war weit entfernt von einer stadtweit außer Kontrolle geratenen Hysterie. Trotz aller Routine, die sich nun ganz offensichtlich in dieser Derbykonstellation breit zu machen scheint, bleibt aber ein gewisses Grundrauschen zurück. Denn: Irgendwas zwischen diesen beiden Vereinen ist aus dem Ruder gelaufen oder droht zumindest aus dem Ruder zu laufen.

Was waren das noch für Zeiten, in denen man zwischen Hertha und Union solidarischen Umgang miteinander pflegte. Sogar über die real existierende Berliner Mauer hinweg (Quellen: Freundschaft zwischen Hertha und Union – Tagesspiegel und 11freunde). Wer lesen kann und sich das mal vor Augen führt, reibt sich inzwischen wohl verwundert dieselben, wie es dazu kommen konnte, dass das Verhältnis beider Vereine nun so merklich abgekühlt ist bzw. in einem gepflegten Nicht-Miteinander eskaliert. Bei der Analyse der Ursachen dafür mag es gewisse nachvollziehbare Ansatzpunkte geben (Quelle: Feindseligkeiten zwischen Hertha und Union – Tagesspiegel)  – letztlich fühlt man sich dabei  doch aber genauso allein gelassen, wie bei der Suche nach Antworten auf die Frage „Was war zuerst da: die Henne oder das Ei?“. Und ganz ehrlich: Ist es nicht eigentlich auch egal?

Etwas ältere Herthaner und Unioner erinnern sich mittlerweile vielleicht etwas wehmütig an die vergangenen Zeiten des gelebten Miteinanders. Die neueren Fan-Generationen sehen viele Dinge offensichtlich etwas anders und können oder wollen das nicht mehr nachvollziehen bzw. auch nicht mehr leben. Schuss. Tor. Hinein! möchte an dieser Stelle jetzt auch nicht zwangsweise zusammen schreiben, was vielleicht nicht (mehr) zusammen passt. Andererseits gibt es da diesen starken Impuls, die gute, gemeinsame und verbindende Vergangenheit beider Vereine nicht einfach dumpfen Scharfmachern auf beiden Seiten zu überlassen, die sich in simplen schwarz-weiß-Schablonen sogenannter Fußballfankultur üben.

In der Hoffnung, dass die bekannten offenen Feindseligkeiten immer noch nur von einem kleinen, nicht-repräsentativen Teil beider Anhängerschaften ausgeht:

Lasst uns doch bitte den Kulturkrampf in unseren Hirnen irgendwie lösen!

An alle „Scheiß Union!“-Herthafans
An alle „Nur zur Hertha geh’n wir nicht“-Unionfans

Wenn Ihr meint, dass derartige Missfallensbekundungen das Mittel der Wahl sind, Eure aktuelle Gefühlslage zum jeweils anderen Verein zum Ausdruck bringen zu müssen – bitte schön. Ich als Herthaner, Mitglied und Autor von Schuss. Tor. Hinein! stehe an der Stelle aber auf und halte Euch entgegen: NOT IN MY NAME! Weder im eigenen, noch im fremden Stadion oder sonst wo. Ihr vertretet damit meine Grundhaltung zu Hertha und Union ganz ausdrücklich NICHT!

An alle Hertha-Verantwortlichen

Sollte sich in den Funktionärsetagen an der Hanns-Braun-Straße allgemein die Auffassung durchgesetzt haben, mit „Scheiß Union!!!“ artikulierten hier Hertha-Fans eine Mehrheitsmeinung und deshalb positioniert man sich von Vereinsseite vorsichtshalber mal lieber nicht: NOT IN MY NAME! Sage ich hier als Hertha-Mitglied und hoffend auf viele weitere Verbündete unter den Hertha-Mitgliedern!

An alle Union-Verantwortlichen

…die in der Wuhlheide erkannt haben, dass Markenbildung und Profilierung heute mit „zum Geschäft“ gehören und mit einem ach so alternativen Antikommerz-Marketingansatz gegen die vermeintlich große Konkurrenz „aus dem Westen“ seit einiger Zeit die eigenen Fans verblöden: NOT IN MY NAME! Union ist nichts Besseres als Hertha BSC – Hertha BSC ist nichts Besseres als Union. Punkt. Da könnt Ihr Euch alle auf den Kopf stellen.

Offene Feindseligkeiten zwischen Hertha BSC und Union

Dazu gleich mal ganz direkt: NOT IN MY NAME!!! Und es bleibt zu hoffen, dass sich alle doch noch mal wieder besinnen – miteinander reden soll in solchen Fällen helfen! Tretet in den Dialog, holt Euch Vereinsverantwortliche als moderierende Unterstützung. Ich hoffe, viele Anhänger beider Vereine können dieser kooperativen Sichtweise mehr abgewinnen als der konfrontativen.

Causa Christopher Quiring

Der Herthaner in mir sagt: Drei Punkte und jut! :-) Und kaum ist man mal zwei Stunden außer Haus, gibt es schon die nächste…

Causa Farbbeutel-Attacke (Quelle: BZ)

Totales no-go und absolutely NOT IN MY NAME, liebe sog. Herthaner!!!
(Denkt mal bitte darüber nach, ob Ihr es wirklich verdient, Euch „Herthaner“ zu nennen)

Mein abschließender Wunsch: Leute, lasst uns bitte mal alle etwas über unseren  Vereinstellerrand hinaus denken! Fußball-Berlin ist insgesamt nicht so pralle aufgestellt, da muss man eigentlich zusammenhalten und unsere Stadt, in der wir alle (hoffentlich gerne) leben, gemeinsam repräsentieren. Zumal, wenn man eine gute gemeinsame Vergangenheit hat. Dabei geht es doch auch nicht darum, dass sich nun zwei Vereine komplett gleichschalten und nur noch Einheitsbrei kochen! Jeder kann und soll seine eigene Identifikation haben und leben – aber das geht auch in friedlicher Koexistenz. Sportlich geht es i.d.R. immer nur um drei Punkte, um die in gesunder Rivalität, aber mit gegenseitigem Respekt und auf Augenhöhe gekämpft werden soll. Aber drohende oder schon offen ausgebrochene Feindschaft hat da nichts zu suchen. Freundschaft wäre das Ziel, das ist die Chance!

Ich hoffe, es gibt viele echte Herthaner, die hier auch lieber ein Miteinander als ein Gegeneinander zwischen den Vereinen haben möchten (ohne dass man naiverweise die sportliche Konkurrenz dabei ausblendet). Liebe echte Herthaner, bringt diese Haltung – ja, hier geht es um Haltung -, bitte auch zum Ausdruck. Wehren wir den Anfängen und sagen: Scheiß Union – NOT IN MY NAME!

Für Berlin:

»Und wir halten zusammen wie der Wind und das Meer – die blau-weiße Hertha und der FC Union – Union, Union, eisern Union! «

»Ha-Ho-He, Hertha BSC«

P.S.:
Wie es z.B. eben auch gehen kann, zeigt die Hertha & Union Fanfreundschaft bei Facebook.