War nicht alles schlecht. 2. Liga.

Der insbesondere zwischen Ostsee und Erzgebirge oft zu vernehmende Klassiker „War nicht alles schlecht“ zielt ab auf die Befindlichkeiten und das Leben in der vor mehr als 20 Jahren unwiderruflich in den insolventen Tabellenkeller der Geschichte verabschiedeten Deutschen Demokratischen Republik.

Während die DDR ein Wimpernschlag der Geschichte blieb und nicht vermochte, aus Ruinen aufzustehen und sich schließlich per Beitritt zum Klassenfeind selbst abschaffte, gelang es Hertha BSC, die Verbannung ins Unterhaus der Bundesliga zu beenden und die sofortige Rückkehr in die 1. Liga zu feiern.

Beide Protagonisten, DDR und Hertha BSC weisen Parallelen auf: beide waren, die DDR bis zum Ende ihrer Existenz, und sind, Hertha,  notorisch klamm bei Kasse.

Während die einen – die deutschen Demokraten – auch schon mal einen Sponsor aus dem ungeliebten Westen bemühen mussten, hält sich hartnäckig das Gerücht, dass den anderen, dem Hauptstadtclub, der gute und zugleich solvente Onkel aus dem eigenen Haus kürzlich mit 8 Mio. Euro aushalf. Beiden ist gemein, dass dieser Betrag lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein war. Nicht wenige orakelten, dass bei dem Scheitern der Mission „Sofortiger Wiederaufstieg“ Hertha das gleiche Schicksal wie die DDR ereilt hätte.

 Aus diesem Grund hülfe es, auch für den wirtschaftlichen Wiederaufbau von Hertha BSC einen Solidaritätszuschlag zu erheben. Was zwischen Binz und Zittau mehr oder weniger gut klappt, sollte auch dem Geschehen in der Hanns-Braun-Straße zuträglich sein. Allein – wer soll das bezahlen?

Nachdem Hertha BSC den Wiederaufstieg perfekt gemacht hat und die „Mission erfüllt“ ist, atmet Berlin erleichtert auf: Hertha darf wieder im Konzert der Großen mitspielen. Man erinnert sich der alten blau-weißen Liebe – Zeitungen präsentieren Sonderseiten und Regierende Bürgermeister lassen sich wieder auf der Ehrentribüne des Olympiastadions blicken. Zukünftig wird wieder zu den gewohnten Anstoßzeiten im Stadion, vor dem heimischen Fernsehgerät oder in der Kneipe um die Ecke Platz genommen und der Montagabend gehört ab der nächsten Saison wieder „Wer wird Millionär“ und nicht den aus Berlin für Berlin kickenden Millionären in den kurzen Hosen  – es sein denn, sie spielen nicht für den Hauptstadt-, sondern den „Stadtteilclub“ (Zitat Michael Preetz) aus Köpenick.

Freuen wir uns von Spandau bis Marzahn-Hellersdorf, dass die dunkle Zeit vorbei ist (Anm. des Autors: „dunkle Zeit“ meint die Zugehörigkeit Herthas zur 2. Liga und nicht etwa die DDR).

Wer weiß, ob wir, die sich in blau-weiß gewandet eine Saison lang das Treiben der Zweitklassigkeit im Berliner Olympiastadion angeschaut haben, uns nicht spätestens, wenn in der 1. Liga  möglicherweise Niederlage auf Niederlage folgt und der alte Spruch „Willst Du Hertha oben seh´n, musst Du die Tabelle dreh´n“ die Betonschüsselrunde macht, wehmütig der häufig sieg- und torreichen Zeit in der 2. Liga erinnern.

Denn mal ganz unter uns – war nicht alles schlecht.