Say Hello! Wave Goodbye?

Wer in den 80er Jahren bereits aufrecht gehen konnte, wird sich an das englische Synthie-Pop-Duo Soft Cell erinnern, das mit der Cover-Version des Northern Soul-Klassikers „Tainted Love“ seinen ersten und größten Hit hatte. Wer durch die Gnade der späten Geburt den 80ern entronnen ist, kann sich bis heute nicht wehren, das dieser Song täglich von jedem Radiosender, der „den besten Mix der tollsten Hits aus den 70ern, 80ern, 90ern und von heute“ verspricht und doch weitestgehend nur austauschbare Mainstream-Soße über seinen Hörern ausschüttet, nahezu stündlich gespielt wird. „Say Hello, Wave Goodbye“ erschien auf dem Soft Cell-Debütalbum.

Was, wird sich der aufgeschlossene Leser dieses kleinen Blogs fragen, hat dieser Song mit der blau-weißen Hertha zu tun?

Hertha BSC ist aufgestiegen – wie geplant, gehofft  und erwartet. So weit – so gut. Im August beginnt die neue Bundesliga-Saison und Hertha sagt mal wieder „Hello“.

„Hello“ zur 1. Bundesliga. Zum Deutschen Meister aus Dortmund. Zum Möchtegern-Meister aus der bayerischen Landeshauptstadt. Zu Hannover 96 und dem SC Freiburg, die eine fulminante Saison hingelegt haben. Und letztlich auch zu Borussia Mönchengladbach, die im Relegationsduell der ehemaligen Hertha-Trainer eine kaum für möglich gehaltene Aufholjagd erfolgreich beendet haben. Hertha sagt „Hello“ und wir, die Fans und Anhänger, hoffen auf eine erfolgreiche Saison 2011/12, in der – darüber sind sich die meisten einig – das Ziel einzig und allein Klassenerhalt heißen kann. Ansonsten heißt es bereits nach 34 Spieltagen wieder „Wave Goodbye“.

Mit einer gehörigen Portion an Vertrauensvorschuss verfolgt die Anhängerschaft, Berliner und Brandenburger, welche Spieler verkauft und verpflichtet werden, ob sich die Zahl der Mitglieder weiter erhöhen wird, wie viele Dauerkarten verkauft werden können und sehnen den Anpfiff – wieder zu gewohnten Zeiten – zur neuen Saison in der Liga, in die Hertha BSC nach eigenem Selbstverständnis gehört, herbei. Werden Verantwortliche, Fans und Medien die Geduld und Ruhe aufbringen können, wenn es nach der erfolgreichen Saison in der 2. Liga fortan wieder mehr Niederlagen geben wird? Wird der vielbeschriebene und gelobte Teamgeist, der die Mannschaft durch die Saison getragen hat, in der 1. Liga Bestand haben, wenn es nicht so gut läuft? Werden Vernunft und Zurückhaltung regieren?

Und was wird aus den vielen jungen Spielern, die in dieser Saison auf zum Teil beeindruckende Weise „Hello“ gesagt haben? Heißt es für sie „Wave Goodbye“? Hertha hat nicht zuletzt auch wegen der Bereitschaft, auf junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen, viele Sympathiepunkte zurückgewonnen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Einsatzzeiten des Nachwuchses wie bereits in der Rückrunde der letzten Saison zu beobachten war, weiter reduzieren. Der Trainer wird mehr Spieler, darunter gestandene Bundesligaprofis, zur Verfügung haben. Ob sich die jungen Spieler trotzdem durchsetzen können, wird nicht zuletzt an ihnen selbst liegen.

Vergessen wir die 80er – für Hertha ohnehin keine Erfolgsgeschichte. Vergessen wir Soft Cell. Vergessen wir „Say Hello, Wave Goodbye“.

Denn wir sind „Gekommen, um zu bleiben – wir gehen nicht mehr weg!“